So berühren sich Pferde

 

Berührungen spielen unter Pferden eine wichtige Rolle. Freundschaftliche Berührungen geschehen ausschließlich mit dem Maul, das mit empfindlichen Tasthaaren ausgestattet ist, so dass feinste Berührungen möglich sind.

Mit dem Maul und den schützenden Tasthaaren wird auch alles Fremde erkundet, das zuerst mit dem Geruchssinn erforscht wurde. Kündigt der Geruch keine Gefahr an, wird der Gegenstand mit dem Maul ertastet. Die Lippen der Pferde können unglaublich weich und sanft sein. Jeder, der einem Pferd ein Leckerli gereicht hat, weiß das.

 

Etwas robuster sind schon die Freundschaftsbezeugungen der Pferde untereinander, die ihre soziale Bindung festigen: Mähnen- und Schweifkraulen, Rückenknabbern und Widerristmassieren – Stellen, die das Pferd selbst nicht erreichen kann, vertraut es einem anderen an. Hier werden Lippen und Zähne eingesetzt. Sehr sanft, sehr bewusst und immer auf den Partner achtend, der dem Pferd mit seiner Körpersprache genau sagt, wie er es gerne hätte. Berührung bedeutet Freundschaft und Zuneigung, wobei unter Pferden immer das ranghöhere Pferd das rangniedrigere Pferd auffordert.

 

 

Da die Berührung für das Pferd so wichtig ist, sollte man auch beim Putzen darauf achten, diese Berührung angenehm zu gestalten. Immer wieder sieht man Pferde, die sich unter dem harten Eisenstriegel krümmen und hört Menschen, die sagen: „Stell dich nicht so an!“ Dabei kann gerade der Putzvorgang eine Festigung der Bindung zwischen Mensch und Pferd sein.

 

Ähnlich ist es mit dem Streicheln. Wer kennt aus früheren Zeiten nicht das Kommando in der Reithalle: „Zügel lang, Pferde loben!“ Und dann klatschten Reiterhände rhythmisch auf die Pferdehälse. Erstaunlich, dass es das heute noch gibt. Immer noch „loben“ Reiter ihre Pferde mit einem kameradschaftlichen, kräftigen Klatsch auf den Hals.

 

Pferde dulden das, aber verstehen werden sie es nie.

 

Ein sanftes Streicheln über die Stirn hingegen, lässt sie wohlig die Augen schließen und den Kopf senken. Ganz besonders schön ist die Stelle neben dem Widerrist. Sie ist die Verbindungsstelle zwischen Rumpf und Hals und vielen Spannungen ausgesetzt. Ist man als Mensch im Stande, diese Spannungen durch Streicheln und Massage zu lösen, tut man dem Pferd damit sehr wohl und es wird gern stehen bleiben und sich der streichelnden Hand entgegenlehnen.

 

Pferde - Mit der Mähne im Wind, Autorin: Uta Over, Lingen Verlag